Lieber Uhrenfreund

Uhrmacher am Werktisch

Lieber Uhrenfreund!

Sie haben mir Ihre Uhr zur Reparatur übergeben, ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen. Ich weiß, Sie vermissen Ihren gewohnten Zeitmesser jetzt sehr. Bitte lassen Sie mir aber etwas Zeit für die Reparatur Ihrer Uhr, damit die Arbeit sorgfältig und mit den erforderlichen Funktionskontrollen durchgeführt werden kann. Nur dann kann ich für die Arbeiten in meiner modern eingerichteten Werkstatt die volle Reparatur-Garantie übernehmen. Für die Übergangszeit werden Sie sicher noch eine Zweituhr besitzen.

Warum blieb Ihre Uhr eigentlich stehen?

Nun, es können viele Gründe hierfür vorliegen, denn eine Uhr ist eine komplizierte und empfindliche Maschine. Sie besteht aus ca. 100-200 Einzelteilen, je nachdem, ob es sich um eine Quarzuhr, um eine Automatik oder um einen Chronographen handelt. Sie läuft ununterbrochen, Tag und Nacht, ohne Pause und ohne Wartung, in jeder Lage und immer im gleichen Rhythmus. Weder Bewegungen und Stöße noch Temperaturveränderungen können ihren gleichmäßigen Lauf nennenswert beeinflussen.
Wie bei jeder Maschine, so unterliegen auch die beweglichen Teile der Uhr einer Abnutzung. Das hat natürlich Einfluß auf den Gang der Uhr (besonders bei mechanischen Uhren ohne Batterie). Darüber hinaus spielt die Qualität des Uhrenöles eine entscheidende Rolle. Das Öl vermindert die Reibung der gleitenden Teile. Auch hochwertige Spezialöle verbrauchen sich dabei im Laufe der Zeit und „verharzen“, wie man sagt. Das gealterte Öl muß deshalb genau wie beim Auto gelegentlich ausgewechselt werden, denn sonst ist die Bremswirkung des verharzten Öles eines Tages größer als die Kraft der Triebfeder oder Batterie, und die Uhr bleibt stehen.

Im allgemeinen sollte eine General-Überholung in Abständen von ca. 2 Jahren vorgenommen werden, auch wenn die Uhr noch geht.

Die Krone zum Aufziehen der Triebfeder oder Zeigerstellen, das Uhrglas und die Federstege als Halter des Uhrbandes am Gehäuse unterliegen dem Verschleiß. Bei der Generalinspektion sollten auch diese Teile geprüft und evtl. ersetzt werden.

Sie werden mehr Freude an Ihrer Uhr haben,
wenn Sie sie sorgfältig und der Qualität entsprechend behandeln. Ziehen Sie bitte Ihre Uhr regelmäßig auf, am besten morgens. Mit einer „Automatik“ oder „Quarz“ ersparen Sie sich natürlich diese Arbeit.

Die „Automatik“ ist eine Uhr mit technischem Know how

Sie zieht sich automatisch auf und geht infolge der gleichmäßigen Antriebskraft genauer als eine normale Uhr. Jede, auch kleinste Bewegung wird zur Spannung der Triebfeder ausgenutzt, und zwar solange, bis eine genügende Gangreserve gespeichert ist. Sie können also am Abend Ihre Automatik beruhigt ablegen, sie hat genügend Kraft gespeichert, um bis zum nächsten Tag zu laufen.

Die „Quarz“ läuft mit Ihrer Batterie mindestens 1 Jahr

bei fast gleichbleibender hoher Ganggenauigkeit. Die Lebenszeit einer Uhrenbatterie hängt von Ihrer Kapazität (Speichervermögen für elektr. Energie) und vom Stromverbrauch des Uhrwerkes ab. Wir verwenden natürlich nur Batterien mit der höchsten Speicherdichte und der größten Sicherheit gegen ein Leckwerden. Außerdem hält Ihre Batterie länger, wenn Sie die Uhr vor großer Hitze (Sonneneinstrahlung) und, bei nicht wasserdichten Gehäusen, die Uhr vor Wasser schützen. Bei Uhren mit Zusatzfunktionen (Licht Alarm) sollten Sie diese Funktionen nur benutzen, wenn Sie sie wirklich brauchen. Das Lämpchen in Ihrer Uhr zum Beispiel braucht 1000 mal mehr Strom als das Uhrwerk.

Noch ein Wort zum Thema „Sekundengenau“

Bei mechanischen Uhren:
Wenn Sie meine Leistungen beurteilen, dann denken Sie bitte daran, daß der Umgang mit den lupenkleinen Teilen einer Uhr eine komplizierte Sache ist. Das Regulieren der Uhr erfolgt nicht allein durch Verschieben des Rückerzeigers, vielmehr besteht die Kunst des Regulierens darin, die Anzahl der Unruhschwingungen trotz vieler störender Einflüsse konstant zu halten. Es sind die ständigen Lagenveränderungen, Bewegungen und Stöße, Temperaturveränderungen, die Kraftminderung, magnetische und andere Einflüsse, die das Regulieren erschweren.
Meine handwerkliche Kunst wird Ihrer fertig montierten Uhr die optimale Reglage geben, doch muß ich Sie darauf hinweisen, daß eine „Sekunden-Reglage“ nur bei sehr guten Präzisionsuhren und Chronometern möglich ist. Normale Gebrauchsuhren müssen sich, je nach ihrer Qualität, mit Minutentoleranzen begnügen.

Mehr Ganggenauigkeit bringt natürlich eine Quarzuhr, bei der die Gangdifferenz je nach Qualität bei wenigen Sekunden im Monat liegt.
Absolute Genauigkeit bieten heute sogenannte Funkuhren, welche die Zeit über einen kleinen eingebauten Empfänger von der Atomuhr in Braunschweig empfangen.

Das sollten Sie von den Leistungen Ihrer mechanischen Uhr wissen!

Die Unruh macht 691.200 Halbschwingungen pro Tag. Das sind 252 Millionen und 288.000 Halbschwingungen im Jahr. Die Unruh dreht sich genau so schnell wie das Antriebsrad einer mit 140 Stundenkilometern fahrenden Schnellzuglokomotive.
Würde man den Unruhreifen anstatt in schwingende in rotierende Bewegung versetzen, so würde er in 1 Jahr einen Weg von 4.000 km zurücklegen. An der Unruhwelle befinden sich am unteren und oberen Ende dünne Zapfen, die bei Armbanduhren oft nur 7-hundertstel Millimeter stark sind, also dünner als ein Frauenhaar. Die Lagersteine für die Radzapfen aus synthetischen roten Rubinen, die in einem komplizierten Schmelz- und Bearbeitungsverfahren hergestellt werden und härter sind als Natur-Rubine. Diese Uhrsteine sind bei Stoß und Schlag bruchgefährdet. Als kleinste Maschine der Welt besitzt die Uhr eine Kraft, die etwa 1/1000 Millionstel Pferdestärke entspricht. Je nach Beruf des Uhrenträgers ist eine Armbanduhr täglich 7.000 bis 41.000 Erschütterungen ausgesetzt.
Zur Anfertigung einer Uhr sind über 1.500 einzelne Arbeitsgänge notwendig. Manche Uhrschrauben sind so klein, daß 50.000 Stück davon in einen Fingerhut passen.

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