Serie berühmter Uhrmacher:

John Harrison

John Harrison wurde 1693 als Sohn eines Zimmermanns  in Barrow (England) geboren.  Mit 42 Jahren zog er nach London. John Harrison schuf nach langer Forschungs- und Entwicklungsarbeit den ersten tauglichen "Seechronometer". 1725 hat er den temperaturkompensierten "Rostpendel" erfunden. Auch das "Gegengesperr", welches auch während des Aufzuges von Gewichtsuhren den Kraftfluss zum Ankerrad nicht unterbrechen lässt, ist seine Errungenschaft. John Harrison verstarb 1776. John Harrison
Bemerkenswert ist, dass John Harrison, der wie sein Vater Zimmermann war, den Beruf des Uhrmachers autodidaktisch erlernte.

Sein Sohn William Harrison, der 1763 der "Clockmakers Company" beigetreten ist, assistierte seinem Vater vor allem beim Bau der Seechronometer. Er erlangte aber nicht die Fähigkeiten seines Vaters und ist deshalb auch bei weitem nicht so bekannt. William Harrison starb im Jahr 1816

Die spannende Geschichte zum ersten Seechronometer von John Harrison:

England war eine große Seefahrernation. Aber es gelang den Kapitänen immer noch nicht zielgenau über die Meere zu segeln. Dabei war noch das geringere Übel, wenn die Mannschaft wegen der langen Seereise an Skorbut litt.  Viele Schiffe gingen einfach verloren oder verfehlten den Zielhafen.

Das Parlament setzte im Jahre 1714 die hohe Belohnung von 10.000 Pfund Sterling aus, für denjenigen der es schafft "ein geeignetes Messinstrument zu erfinden, mit dem man die geographische Länge bis auf 1Grad genau bestimmen kann". Misst das Instrument auf 40 Bogenminuten genau, wurden 15.000 Pfund und für 30 Bogenminuten (=1/2 Grad) sogar 20.000 Pfund versprochen. Um die Höhe des Preisgeldes begreifen zu können muß man bedenken, dass damals ein einfacher Arbeiter gerade einmal 10 Pfund im Jahr verdiente!

Die Zeitmessung und Positionsbestimmung auf See:

Die Ortszeit konnten die Seefahrer schon lange ermitteln. Mit Hilfe von optischen Instrumenten errechneten sie diese aus der gemessenen Höhe von Sonne oder Sternen! Nur aus der Ortszeit alleine konnte noch nicht die Position des Schiffes bestimmt werden. Zwar ließ sich zum Beispiel aus der Mittagshöhe der Sonne der Breitengrad ermitteln, nicht aber der Längengrad.

Als erster schuf der dt. Astronom Tobias Mayer im Jahre 1752 sogenannte Mondtafeln. Die dafür notwendigen sehr exakten Messungen des Winkels zwischen Mond und einem Fixstern, die sehr umfangreichen Tabellen und eine sehr komplizierte Rechenarbeit, für die selbst geübte Mathematiker Stunden brauchten, machten diese Methode aber nicht geeignet für die Seefahrt.

J. Harrison erkannte sofort: Die Ortszeit ließ sich leicht auf dem Schiff ermitteln. Wenn nun auch die genaue Heimatzeit auf dem Schiff bekannt wäre, dann ist die Berechnung des Längengrades aus der Zeitdifferenz kein Problem.

Der 40 jährige Kampf um die Bogenminuten:

Harrison ging zusammen mit seinem Bruder James ans Werk. Sein erster Seechronometer, fertiggestellt im Jahre 1735, wurde ein futuristisch aussehendes Monstrum.

(84 cm hoch und 33 Kilogramm schwer).Er ließ sich viele neue technische Lösungen einfallen, zum Beispiel die raffinierte Lagerung der Radzapfen auf Rollen. Diese Uhr erfüllte die geforderten Bedingungen noch nicht, aber nach einem Test auf See entschied die Kommission Harrisons Bemühungen mit 500 Pfund zu belohnen, damit er seine Arbeit und Forschung weiter durchführen konnte.

Harrisons erster Entwurf
Harrisons "H1"

Es folgten 2 weitere Modelle, die H2 und H3 von ähnlicher Größe und Bauart. Diese Uhren wurden nie auf einem Schiff getestet, aber Harrison suchte mit ihnen weitere technische Neuerungen und Verbesserungen. 1759, Harrison war bereits 66 Jahre alt, gelang ihm schließlich der Durchbruch. Seine H4 sah ganz anders aus als ihre schwergewichtigen älteren Schwestern. Die H4 ähnelte eher einer etwas überdimensionalen Taschenuhr mit 13 cm Durchmesser.

Die H4 bestand mit Bravour ihren ersten Test. Nach einer Schiffsreise nach Jamaika ging sie nach ca. 5 Monaten nur 5 Sekunden nach. Dieses entspricht einem Fehler von nur 1,25 Bogenminuten.

Der 10 jährige Kampf gegen die Bürokratie:

Die Kommission wollte J. Harrison die Belohnung nicht auszahlen. Das Parlament bemängelte, der Zeitmesser sei zu einzigartig, nicht jedes Schiff kann damit ausgerüstet werden. Harrison musste hart um sein Recht kämpfen. 5 Jahre nach seinem ersten Erfolg wurde die H4 noch einmal in der Praxis getestet. Bei der Ankunft in Barbados nach 156 Tagen Seereise betrug die Abweichung 15 Sekunden, was 3,75 Bogenminuten entsprach.
Trotz dieses überwältigenden Erfolges dauerte es weitere 5 Jahre, bis John Harrison, 7 Jahre vor seinem Tod, das Preisgeld in Höhe von 20.000 Pfund Sterling erhielt

Warum sich Harrisons Seechronometer nicht durchsetzte:

Die Konstruktion von Harrisons H4 war sehr aufwendig, daher auch teuer und wahrscheinlich auch anfällig auf hoher See. Schon bald wurde der Uhrmacher Larcum Kendall beauftragt, die Uhr von Harrison nachzubauen. Scheinbar war die Kommission im Besitz der Zeichnungen und Pläne für die H4. So mußte Harrison tatenlos zusehen, wie  Kendall seine H4 kopierte, die er ähnlich wie Harrison K1 nannte.
L. Kendall wurde noch eine zweite Uhr in Auftrag gegeben. Sie sollte preiswerter und robuster werden. So verwendete er für die Spindellappen Rubine(Harrison Diamanten) und verzichtete auf ein Remontoir.

Leider wurde nicht bekannt, was die K2 leistete. Auf der Seereise mit Kapitän William Bligh geschah Unvorhergesehenes. Nach der Meuterei auf der Bounty blieb die Uhr auf dem Schiff und wurde erst 70 Jahre später wieder gefunden.

Als Erster schuf der Engländer Thomas Earnshaw ein Chronometer wie sie sich später weltweit durchsetzten. In einem stabilen Mahagonikästchen befestigte er ein kardanisch aufgehängtes Uhrwerk, nochmals geschützt durch ein Messinggehäuse.
Der Sekundenzeiger schreitet im Halbsekundentakt über das Zifferblatt und eine Gangreserveanzeige erinnert daran, wann die Uhr wieder aufgezogen werden muss!