Ein fachgerechter Batteriewechsel

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Liebe Uhrenfreunde,

hier folgt ein Bericht über einen ganz normalen Batteriewechsel. Ich will aufzeigen, was ein guter Fachmann bei einem Batteriewechsel alles beachtet und wie viele Arbeitsgänge dazu nötig sind!

Beginnen wir mit dem ersten Teil:

Eine Casio landet auf meinem Werktisch, um die Batterie zu wechseln. Ein erster Blick auf das Display zeigt mir, dass die LCD Anzeige „erloschen“ ist. Weiter prüfe ich die Uhr äußerlich, ob das Glas oder Gehäuse beschädigt ist, oder ob sich unter dem Uhrglas Wasserspuren zeigen.
Bei Verdacht prüfe ich bereits vor dem Öffnen der Uhr diese auf Wasserdichtheit. Diese Beobachtungen sind vorteilhaft, wenn sich später herausstellt, dass die Uhr nicht wegen einer leeren Batterie stehen geblieben ist!

Bei Analoguhren prüfe ich zusätzlich an der ungeöffneten Uhr den Ausgangsimpuls. Dieses geschieht mit Hilfe einer Induktionsspule, welche das magnetische Feld des Antriebsorgans registriert. Wird dieses magnetische Feld nicht registriert, ist dies ein Zeichen, dass die Spule des Motors (Antriebsorgan) nicht arbeitet. Wenn sich später herausstellt, dass die Batterie nicht leer war, das Uhrwerk aber durch die Erschütterungen beim Öffnen wieder “ angesprungen“ ist, kann sofort gesagt werden ob der Fehler in der Elektronik oder in der Mechanik der Uhr lag.

Wie Sie sehen gibt es schon eine Menge Punkte zu beachten, bevor die Uhr überhaupt geöffnet wurde.

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Um überhaupt den Gehäuseboden öffnen zu können, müssen einige Teile abgebaut werden

Eine Casio „G Shock“ macht es einem nicht ganz leicht zum Uhrwerk vorzudringen. Zuerst muss das ganze Uhrband abmontiert werden, damit der Gehäuseboden frei liegt. Anschließend wird das Gehäuse – wenn nötig – auf der Unterseite mit einer kräftigen Bürste gereinigt, damit kein Schmutz in das Uhrwerk fallen kann.
Diese Vorsichtsmaßnahme ist vor allem bei Analoguhren nötig, da die kleinen Rädchen durch die kleinsten Fremdkörper blockiert werden können!

So, nun geht es ans „Eingemachte“! Nach dem Öffnen der 4 Gehäuseschrauben kann ich bis zur Batterie vorstoßen. Vorher bürste ich noch den Gehäuseboden auf der Innenseite, da sich auch hier am Rand Staub und Schweiß abgelagert hat (vor dem Dichtungsring).
Nun entnehme ich die Batterie und prüfe zuerst, ob diese überhaupt leer ist. Ein zweiter Blick auf die Batterie sagt mir meist, wie lange die Uhrenbatterie ihren Dienst versah. Wie das möglich ist? Ganz einfach, wenn eine Batterie von uns ersetzt wird, gravieren wir in diese das Datum. Wenn nötig, werden jetzt von mir auch die Batteriekontakte gesäubert, bevor die „Neue“ eingesetzt wird!

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In jede Batterie wird das Datum graviert!
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Die geöffnete Uhr
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Das Reinigen des Gehäusebodens

Natürlich gibt es unterschiedliche Batteriemarken, aber ehrlich gesagt habe ich keine Qualitätsunterschiede der “ großen“ Batteriehersteller (Ucar, Varta, Maxcell, Renata) feststellen können.
Allerdings gibt es Unterschiede im Typ. Sogenannte „high drain“ (HD) Batterien können kurzzeitig höhere Stromstärken liefern und sind deshalb für Uhren mit Weckfunktion und Beleuchtung besser geeignet. Andere Batterien würden unter dieser Belastung zusammenbrechen. (Manche Beleuchtung saugt der Batterie 1000 mal mehr Strom aus der Zelle, als das Uhrwerk). Der Nachteil dieses Batterietyps ist eine etwas größere Selbstentladung und damit geringere Lebensdauer. Weiter neigt sie auch leichter zum Austreten der Batterieflüssigkeit, weil der Elektrolyt nicht so stark eingedickt ist.

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Geöffnete Uhr

Der Gegenpol zur HD Batterie ist die LD (low drain) Batterie mit geringer Selbstentladung, geeignet für Analoguhren, auch Chronographen und LCD Uhren ohne Zusatzfunktion.
Mittlerweile gibt es von Ucar auch universelle Batterien, welche sich für beide Verwendungsarten eignet.

Diese vorher besprochenen Batterietypen arbeiten auf Basis von Silberoxid und sind nicht mehr so giftig wie die früher verwendeten Quecksilberoxid Batterien. Selbstverständlich werden alle Altbatterien vorschriftsmäßig entsorgt!
In dieser Casio ist allerdings keine der genannten Batterietypen. In dieses Modul gehört eine sogenannte Lithiumzelle. Lithiumzellen haben ganz andere Maße (10 bis 30mm Durchmesser) eine hohe Energiedichte (Kapazität), können „hohe“ Stromstärken liefern und sind dabei ziemlich auslaufsicher. Allerdings sind sie durch Ihre Bauart wenig für flache Uhren oder Damenuhren geeignet.

So jetzt habe ich ein bisschen über die verschiedenen Batterietypen erzählt. Um unsere Kunden einen schnellen und zuverlässigen Batteriewechsel bieten zu können halten wir übrigens cirka 50 verschiedene Batterietypen auf Lager.
Ich habe also jetzt die „Neue“ vor mir liegen und graviere das Datum in die Energiezelle. Die Batterie wird vorsichtig in das Batteriefach gelegt und der Haltebügel wieder eingehängt. Bei Multifunktionsuhren (wie hier bei dieser Casio) suche ich noch nach den 2 Kontakten die mit „AC“ gekennzeichnet sind und überbrücke diese mit einer Metallpinzette. Dies ist vergleichbar mit einem „Reset“ beim Computer.
Ein erster Blick auf das Display zeigt mir, dass das Modul ordnungsgemäß arbeitet.

 

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Die Uhr muss wieder dicht werden!

Der Dichtungsring wird mit Silikon eingefettet, die Batterie sitzt im Werk, jetzt muss das Gehäuse vorbereitet werden.
Den Gehäuseboden habe ich schon innen und außen sauber gemacht. Da der Dichtungsring nicht überdehnt oder spröde ist braucht er nicht ausgewechselt werden. Auf alle Fälle wird er mit einem speziellen Silikon-Fett eingeschmiert.
Nachdem der Gehäuseboden aufgeschraubt ist, überprüfe ich, ob die Uhr dicht ist. Das Gehäuse wird dazu in ein spezielles Gerät auf ein Tischchen gelegt (Abb. Titelbild). Von oben tastet ein Fühler die Dicke des Gehäuses auf den 1/1000 mm genau ab. Nun wird eine Glasglocke über die ganze Vorrichtung gestellt und die Luft abgepumpt. Es entsteht ein Unterdruck in der Glasglocke. Ist die Uhr dicht, wölbt sich der Gehäuseboden und das Uhrglas durch den höheren Druck in der Uhr nach außen.

 

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Ein Messgerät zum Prüfen der Wasserdichtheit.

Ich werde hier nicht weiter auf dieses Verfahren eingehen, denn ich will ja über den Batteriewechsel berichten. Diese Methode ist sehr schnell, bei sorgfältiger Anwendung auch relativ sicher, aber auf keinen Fall für professionelle Taucheruhren geeignet, dafür haben wir andere Geräte!

 

Die Uhr ist fast fertig. Der Kunde wartet schon.
Das Uhrband wird wieder angeschraubt und die Uhr sekundengenau nach einer Funkuhr eingestellt.

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Fast fertig!

Haben Sie mitgezählt, wie viele Handgriffe nötig waren? Dies sollte eigentlich keine Gebrauchsanweisung für „do it yourself“ Menschen sein, zumindest nicht bei wertvollen Uhren.

 

 

Ein paar Dinge sind mir noch während dieser Arbeit eingefallen, die oft zu Fragen führen:

 1. Warum sagt der Uhrmacher, die Uhr ist nicht mehr dicht, obwohl sie doch zuvor noch dicht war?
 2. Warum gibt es keine 10 Jahres Batterie?
 3. Warum war die Batterie vor einer Woche noch "gut" und heute ist sie leer?

Bis zum nächsten Werkstattbericht,
Ihr Meister Blank